Die Kristallschädel sind die meist umstrittenen Objekte Weltweit. Weil sie ebenso mysteriöse wie geheimnisvoll sind. Während manche Forscher sie für antike Artefakte mit bemerkenswerten magischen und heilenden Eigenschaften halten, halten die andere aber als relativ moderne Fälschungen, genau aus diesen Grund ist man sich über die Herkunft nicht einig. So hat man zwar behauptet, dass es insgesamt 13 Kristallschädel an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt gibt, doch bislang wurden nur fünf davon ausfindig gemacht. Die Objekte selbst sind Modelle menschlicher Schädel, die aus durchsichtigem Bergkristall herausgeschnitten wurden.

Aussehen

Die bislang gefundenen Exemplare schwanken in ihrer Größe von ein paar Zentimetern bis zu einem menschlichen Kopf in Originalgröße. Woher die Schädel stammen oder wozu sie dienten ist unbekannt, doch man hat vermutet, dass sie auf die präkolumbianischen Kulturen von Südamerika wie die Azteken und die Maya zurückgehen. Der faszinierendste und rätselhafteste dieser Kristallschädel ist zweifellos der Mitchell-Hedges Schädel, an dessen unheimliche, verführerische Schönheit die anderen Exemplare nicht heranreichen. Die verblüffende Geschichte dieses Schädels ist beinahe so interessant wie das Objekt selbst.

Der Furcht erregende Mitchell-Hedges-Schädel ist ein lebensgroßer Totenkopf, der 5,3 Kilogramm wiegt und meisterhaft aus einem einzigen durchsichtigen Bergkristall herausgeschnitten wurde. Er besitzt einen abnehmbaren Unterkiefer, der sich so bewegen lässt, dass der Eindruck entsteht, der Kopf könne sprechen. Von kleinen Fehlern an den Schläfen und am Jochbein abgesehen ist er ein anatomisch korrektes Modell des menschlichen Schädels.

Der abenteuerliche Fund

Die Herkunft und Entdeckung dieses rätselhaften Artefakts sind von einem Geheimnis umgeben. Wie es heißt, habe der englische Forscher und Abenteurer F. A. Mitchell-Hedges (1882-1959) im Jahr 1924 oder 1927 die Ruinen eines Zeremonienzentrums der Maya in Lubaantun in Belize im Rahmen seiner Suche nach dem verschollenen Kontinent Atlantis erforscht. Auf seiner Expedition wurde er von seiner Adoptivtochter Anna Mitchell-Hedges begleitet. Als sie durch die Ruinen wanderte, sah sie unter einem Altar den oberen Teil des Kristallschädels. Nur drei Monate später wurde im selben Raum der Unterkiefer des Schädels entdeckt. Als Mitchell-Hedges bemerkte, wie die Einheimischen auf diese merkwürdige Entdeckung reagierten, überließ er ihnen angeblich den Schädel. Später, als er mit seiner Gruppe die Gegend verlassen wollte, überreichte der örtliche Hohepriester den Schädel aus Dankbarkeit für Nahrung, Medizin und Kleidung.

F. A. Mitchell-Hedges

Ins Zwielicht geriet diese Geschichte im Stiele von Indiana Jones, als herauskam, dass Mitchell-Hedges den Schädel in Wahrheit im Jahr 1943 für 400 Pfund bei Sotheby’s in London von Sidney Burney, dem Inhaber einer Kunstgalerie, erworben hatte. Kein Wunder, dass Mitchell-Hedges scheinbar unerklärlicherweise den Schädel nirgends in verschiedenen Zeitungsartikeln über Atlantis erwähnt, die er in den Dreißigerjahren verfasste, und dass unter den Fotos von seiner Lubaatun-Expedition, Aufnahmen des exotischen Artefakts fehlen.

Mitchell-Hedges hat vor 1954 nichts über den Schädel geschrieben, bis er ihm ein paar vage Zeilen in seinem Buch „Danger My Ally“ widmete da erst erwähnt er zum ersten Mal seit seiner angeblichen Entdeckung im Jahr 1927 den Kristallschädel. 1936 lieferte die die Ausgabe der Zeitschrift „Man“ einen Artikel über eine an zwei Kristallschädeln durchgeführte Untersuchung, wobei der eine aus dem British Museum stammte und der andere als Burney-Schädel bekannt war.

Letzteres Artefakt ist kein anderes als Mitchell Hedges’ Schädel, der sich damals offenkundig im Besitz des Sidney Burney befand. Nirgendwo in dem Artikel steht, dass er in den Maya-Ruinen von Lubaatun oder von Mitchell-Hedges entdeckt worden wäre. Was auch immer Mitchell-Hedges bewogen haben mochte, sich diese exotische Geschichte auszudenken, man weiss es nicht.

Viele der angeblich übernatürlichen Eigenschaften und düsteren Legenden, die inzwischen mit dem Kristallschädel verbunden werden, lassen sich bis zu Mitchell-Hedges’ Autobiographie von 1954, mit dem reißerischen deutschen Titel „Männer, Ungeheuer und Ruinen“ zurückverfolgen. In diesem Buch schreibt Mitchell-Hedges, der Schädel habe einem Hohe- Priester der Maya beim Absolvieren eines magischen Ritus gedient, bei dem es um einen tödlichen Fluch ging, der unweigerlich das Ableben des auserwählten Opfers zur Folge hatte.

Die Macht des Schädels sei so furchtbar, dass er selbst ohne äußeres Zutun die Macht besitze, den sofortigen Tod herbeizuführen. Außerdem sagte Mitchell-Hedges in seinem Buch, dass die Herstellung des Schädels unglaubliche 150 Jahre gedauert habe und dass er mindestens 3600 Jahre alt sei. Er machte sich zwar nicht die Mühe, diese Behauptungen zu belegen, doch es gehört inzwischen zum Volksglauben, die sich mit dem Schädel verbindet. Die damit befassten Arbeiter hätten ihn jeden Tag ihres Lebens gerieben und poliert, um die perfekte Form zu erzielen.

Nach dem Tod von Mitchell-Hedges im Jahr 1959 ging der Schädel in den Besitz seiner Adoptivtochter Anna über, die ihn bis 1964 behielt, als sie ihn den befreundeten Kunstkonservatoren Frank und Mabel Dorland überließ, damit sie ihn einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen.

Als das Konservatorenpaar ihn einmal ausnahmsweise mit nach Hause nahm und in die Nähe eines Kaminfeuers stellte, bemerkten sie die erstaunlichen optischen Effekte, die der Schädel bewirkte, wenn Licht durch ihn fiel. In manchen Geschichten ist auch vom Treiben eines Poltergeists die Rede, solange der Schädel sich im Haus befand. 1970 brachte Frank Dorland den Schädel in die Hewlett-Packard Laboratories in Santa Clara in Kalifornien. Nachdem das Labor den Schädel untersucht hatte, erklärte man, an dem Kristall hätte man keinerlei mikroskopische Spuren feststellen können, die darauf hindeuten würden, dass er mit Metallinstrumenten bearbeitet worden sei. Das Labor fand außerdem heraus, dass der Schädel gegen die natürliche Körnung des Kristalls geschnitten wurde man habe keine Ahnung, warum er bei der Herstellung nicht zersprungen sei. Daraus schloss Dorland, dass der ursprüngliche Quarzblock zuerst zu einer groben Form zurecht gemeißelt worden sein müsse, möglicherweise mit Hilfe von Diamanten, bevor er mit Wasser und Sand geschliffen und poliert wurde.

Dieses sorgfältige langsame Vorgehen hätte laut Dorland bis zur Fertigstellung 300 Jahre gedauert, womit er die bereits unglaublich klingende Herstellungsdauer des Objekts glatt verdoppelte und gleich von mehreren Generationen von Arbeitern ausging.

Das Geheimnis, das die Herkunft des Schädels und seine Herstellung umgibt, bringt viele Leute zu der Überzeugung, dass hier übernatürliche Mächte am Werk gewesen sein müssten.

Vielleicht ist der Kristall ja wirklich 36.000 Jahre alt und ist ein Überbleibsel der versunkenen Länder von Lemuria oder Atlantis? So sah es jedenfalls Mitchell-Hedges, und seine Tochter Anna, der Schädel stamme ursprünglich von einem anderen Planeten und sei in Atlantis aufbewahrt worden, bevor er zur Maya-Stätte von Lubaantun gelangte. Eine Reihe von Leuten haben den Schädel zum Kristallsehen benutzt und angeblich detailreiche Visionen antiker Kulturen gehabt.

Andere haben das spontane Auftauchen und Verschwinden seltsamer Farben im Inneren des Kristalls oder gar holografische Bilder bemerkt. Auch unheimliche Laute und Poltergeistaktivitäten werden mit dem Schädel verbunden, und etliche Menschen bezeugen seine magischen und heilenden Kräfte. In einer Legende amerikanischer Ureinwohnern ist von 13 alten Kristallschädeln mit beweglichem Unterkiefer die Rede, die sprechen oder singen können.

Wenn alle 13 gefunden und zusammengebracht würden, so die Legende, werde ihr kollektives Wissen das auch den wahren Sinn und das Schicksal der Menschheit einschließt der Welt offenbart werden. Viele sind überzeugt, dass der Mitchell-Hedges-Schädel einer dieser 13 Steine ist.

Seine Herkunft und Funktion

Viele Forscher sind der Ansicht, dass der Mitchell Hedges-Schädel viel zu lebensecht wirke als die im Allgemeine eher stilisierte Kunst von Südamerika, dagegen glauben andere, die Skulptur gehe aufgrund der Bedeutung des Schädels in ihrer Ikonografie und wegen einigen bekannten Exemplaren von aztekischen Werken aus Bergkristall auf die Azteken oder Maya zurück. Obwohl es keinen Beleg dafür gibt, dass der Mitchell-Hedges-Schädel oder jeder andere Kristallschädel in Südamerika gefunden wurde, erscheint ein aztekischer Ursprung im Augenblick die beste Hypothese zu sein.

Man glaubt, der Schädel sei als sprechendes Orakel benutzt worden, wobei der separate Unterkiefer mit Draht am Kopf befestigt und vielleicht von einem Priester betätigt worden sei, um den Eindruck zu vermitteln, er würde sprechen. Wenn der Kristall dann noch das Licht eines dahinter entzündeten Feuers reflektiert hatte, war dies sicher ein unheimliches Schauspiel gewesen.

Aber damit ist die faszinierende Geschichte des Schädels noch nicht zu Ende. Als der Mitchell-Hedges-Schädel im Jahr 1936 erstmals untersucht wurde, diente ein weiterer Kristallschädel, schlicht der British-Museum-Schädel genannt, als Vergleichsobjekt. Dieser Kristall war 1897 von Tiffany’s, dem New Yorker Juwelier, erworben und ist mutmaßlich aztekischen Ursprungs.

Man stelle fest, dass die beiden Schädel mehrere Unterkiefer aufwiesen. So war zum Beispiel British-Museum-Schädel in einem Stück ohne abnehmbaren Unterkiefer gefertigt, während der Burney-Schädel viel lebensechter und detailreicher war. Doch im Abschlussbericht seiner Untersuchung stellt man fest: Dass es die Darstellung von ein und desselben menschlichen Schädel sind. Auch wenn der eine die Kopie des anderen sein mag. Weil der Burney-Schädel mehr anatomische Details aufwies, hielt man ihn für den früheren der beiden und für die Nachbildung eines Frauenschädels.

Im Januar 2005 verkündeten Forscher des British Museum eine Sensation. Nachdem sie umfangreiche Tests mit Hilfe eines Rasterelektronenmikroskops vorgenommen hatten, gelangten sie zu der Schlussfolgerung, das Artefakt sei tatsächlich im 19. Jahrhundert und wahrscheinlich in Deutschland hergestellt worden. Bei den Untersuchungen wurden Spuren am Kristall nachgewiesen, wie sie für Juwelierinstrumente typisch sind, die erst im 19. Jahrhundert entwickelt wurden. Heute glaubt man, dass der Schädel für den französischen Sammler Eugene Boban produziert wurde, der ihn später an Tiffany’s verkaufte. Boban war zwischen 1860 und 1880 Antiquitätenhändler in Mexico City gewesen und hat seine Schädel anscheinend irgendwo in Deutschland erworben. 1992 erhielt die Smithsonian Institution einen Kristallschädel von einer ungenannten Person, die behauptete, er sei aztekischen Ursprungs und 1960 in Mexico City gekauft worden. Doch die Forscher an der Smithsonian Institution ermittelten, dass der Bergkristall mit einer Trennscheibe oder einer Kreissäge bearbeitet worden war. Solche Werkzeuge konnten präkolumbianische Kristallbearbeiter nicht besessen haben. Jane MacLaren Walsh von der Smithsonian Institution entdeckte Dokumente, die bewiesen, dass der Schädel von Boban stammte. Und nicht nur das: Boban hatte auch mehrere andere angeblich antike Kristallschädel beschafft, von denen einige in verschiedenen Museen landeten. All diese Schädel waren tatsächlich zwischen 1867 und 1886 in Deutschland hergestellt worden

Während die Existenz falscher Kristallschädel aus dem 19. Jahrhundert nicht unbedingt gegen die Echtheit des Mitchell-Hodges-Schädels spricht, lässt sie in der Tat Zweifel an der angeblich antiken Herkunft der bislang nicht untersuchten Kristallschädel aufkommen, die derzeit auf der ganzen Welt, meist in Privatsammlungen, existieren. Wenn man all diese Schädel Untersuchen würde könnte man zwar nicht exakt datieren (alle Kristalle sind sehr alt), doch mit Sicherheit würde sich herausstellen, ob dieses rätselhafte Meisterwerk erst in relativ junger Zeit hergestellt wurde, und ob es von den Maya oder Azteken stammen oder ob es einen völlig anderen Ursprung hat.

® Carrygen

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