Das Wort Kabbala leitet sich von dem hebräischen Wort QBLH ab und bedeutet soviel wie „vom Mund zum Ohr“. Hierbei handelt es sich also um eine mündliche Überlieferung.
Das Judentum gilt unbestreitbar als Wurzel der christlichen Glaubensgemeinschaften. Schließlich waren Jesus und Paulus Juden. Es besteht also eine traditionelle Verbindung zwischen dem Christentum und dem Judentum und somit auch mit der Kabbala.
Die alten mystischen Traditionen der Hebräer stützen sich auf drei Hauptwerke. Dies sind zum einen die fünf Bücher Moses und das Buch der Propheten; auch bekannt als das Alte Testament, der Talmud, welcher eine Sammlung gelehrter Kommentare zum Alten Testament ist und die Kabbala, die eine mystische Deutung der Vorangegangenen darstellt.
![]() |
Das Hauptwerk dieses esoterischen und mystischen Zweiges der jüdischen Religion, der Sohar, entstand um 1280. Es gibt aber Verbindungen zu früheren mystischen Kosmologien, wie z. b. zum Gnostizismus (siehe auch Ausgabe 2). Die Gnosis stellt die esoterische Seite des Christentums dar und geht auf griechische und ägyptische Einflüsse zurück. Um die Erinnerung an die Gnosis aus dem menschlichen Denken zu verbannen, zerstörte die vom Staat organisierte Seite der christlichen Kirche alle Dokumente, derer sie habhaft werden konnte. Erst als die Macht der Kirche im 15. Jahrhundert zu schwinden begann, wurden die traditionellen Weisheiten der Israeliten wieder schriftlich festgehalten.
Aus diesem Grund wird die Kabbala von Gelehrten häufig als mittelalterlicher Hokuspokus angesehen, da frühe Dokumente aufgrund der Zerstörungswut der christlichen Kirchen kaum noch zu finden sind.Mit Hilfe der Kabbala wird eine symbolische Erklärung für die Entstehung des Universums dargestellt und es werden Beziehungen zwischen Makro- und Mikrokosmos offenbart.
Das Ziel beim Studium der Kabbala ist es, die „geheimen Verkündigungen“ zu entdecken, bei denen man sich sicher ist, dass es diese verborgenen Informationen gibt.
Das zentrale Symbol in der Kabbala ist der Baum des Lebens. Er besteht aus den 10 Sephirot, wörtlich Zahlen, und den 22 Pfaden, welche die Sephirot miteinander verbinden. Der Lebensbaum fungiert als “Landkarte“ der Psyche – Mikrokosmos und des Universums – Makrokosmos. Dazu später mehr.
In der heutigen westlichen, nicht jüdischen Gesellschaft wird die Kabbala auf dreierlei Art und Weise aufgefasst. Da ist zum einen die traditionelle Kabbala, die, wie oben beschrieben, versucht, mystische Informationen zu entschlüsseln.
Aber auch die christliche Scholastik versucht seit der Renaissance die Methodik der Kabbala zu verwenden. Das Ziel ist das gleiche wie bei den jüdischen Gelehrten, nur werden die Schriften hierbei herangezogen, um christliche Bedeutungen und Interpretationen zu entschlüsseln. Dieser Standpunkt unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem der jüdischen Mystiker (Anmerkung der Verfasserin).
Der dritte Zweig der Kabbala ist die praktische, magische Kabbala. Sie hat sich in den letzten 200 Jahren völlig eigenständig entwickelt. Oft in magischen Schulen und bei allein arbeitenden Magiern angewendet, wird das Konzept der Kabbala zu einer Struktur magischen Denkens. Es können Verbindungen gezogen werden zur Philosophie, der Symbolik, der Mystik und zur Mythologie.
Dieser Zweig der Kabbala untergliedert sich in vier Teile:
1. Die praktische Kabbala, die sich mit der Magie beschäftigt,
2. Die dogmatische Kabbala, die die kabbalistische Literatur darstellt,
3. Die buchstäbliche Kabbala, die sich mit Zahlen und Buchstaben auseinandersetzt (Numerologie à Anmerkung der Verfasserin) und
4. Die ungeschriebene Kabbala, welche das Wissen um den Symbolgehalt der Pfade im Baum des Lebens beschreibt.
Somit wären wir also beim Baum des Lebens angelangt.
Als das zentrale Symbol der Kabbala ist der Lebensbaum auf alle möglichen Dinge anwendbar. Es können hiermit Beziehungen dargestellt werden, die einem ohne Zuhilfenahme dieses Symbols möglicherweise entgangen wären. Mit Hilfe des Lebensbaums lassen sich Gedanken ordnen, um sie in Beziehung zueinander zu setzen und Assoziationsketten daraus herzustellen.
Hat man das Bild des Lebensbaums vor sich, so lassen sich verschiedene Unterteilungen daraus bilden. Die Unterteilung des Lebensbaums in Dreiecke erfolgt in drei Ebenen. Die erste Ebene umfasst die Sephirot Kether, Chockmah und Binah. Sie werden auch als die überirrdischenSephirot bezeichnet. Dieses Dreieck stellt somit das schöpferische Dreieck dar.
Die zweite Ebene wird aus den Sephirot Chesed, Geburah und Tipheret gebildet. Dieses sind die Kräfte, die in ordnender Weise auf das entstehende Leben einwirken. Das Dreieck wird als ethisches Dreieck bezeichnet.
Die dritte und letzte Ebene setzt sich aus den Sephirot Nezach, Hod und Jesod zusammen und wird magisches Dreieck genannt.
Die vier kabbalistischen Welten
Eine weitere Unterteilung des Lebensbaums erfolgt in vier waagerechte Ebenen, welche den Makrokosmos symbolisieren.
Diese wären 1. Aziluth, die archetypische Welt, die von Kether gebildet wird, 2. Beriah, die schöpferische Welt, die aus Chockmah und Binah besteht, 3. Jezirah, die gestaltende Welt, aus Chesed, Geburah,Tiphareth, Netzach, Hod und Jesod und à 4. Assiah, die materielle Welt, welche aus Malkuth gebildet wird.
Andere Quellen sprechen bei Aziluth von der Welt der Emanationen, der göttlichen Welt. Beriah wird auch Kursiya, die Welt der Throne genannt. Jezirah ist die Welt der Gestalltung und der Engel und Assiah die Welt der Handlung und der Materie.
So werden die vier Ebenen der Existenz dargestellt, welche sich also aus der spirituellen, der mentalen, der emotionalen und der physischen Stufe zusammensetzen.
Jede der Sephirot hat ihren eigenen Berührungspunkt mit den vier Welten. In Aziluth manifestieren sich die in der jüdischen Religion gebräuchlichen zehn Namen Gottes, die zehn verschiedene Aspekte des selbigen darstellen.
Die zehn mächtigen Erzengel stellen die Manifestation der göttlichen Emanation in Beriah dar.
Die Engelsscharen und Engelschöre stellen die Manifestationen in Jezirah dar.
Streng genommen stellt Assiah nicht die Welt der Materie dar, sondern es handelt sich hierbei die niederen Strahlen und die ätherischen Ebenen, welche zusammen den Grundstock für die Materie bilden.
Zu guter Letzt sind wir bei unseren Unterteilungen bei der mikrokosmischen Darstellung des Lebensbaums angelangt. Diese unterscheidet sich von der makrokosmischen. Die mikrokosmische Untergliederung stellt die drei Teile der Seele dar mit dem Schöpfer aller Dinge (Kether) an der Spitze.
Diese Einteilung geht auf Crowley zurück (siehe oben). Er unterteilt dabei in die Königs—Skala, zu welcher Aziluth gehört, die Königinnen-Skala mit Beriah, der Kaiser-Skala mit Jezirah und der Kaiserinnen-Skala mit Assiah.
Die drei Teile der Seele sind:
a) Jesod entspricht *Nephesch*, der animalischen Seele. Sie ist Sitz unseres Egos und unseres Unbewussten.
b) Es folgen Hod bis Chesed, die den Sitz des Höheren Selbst, *Ruach* genannt, bilden.
und
c) Die spirituelle Seele, *Neschamah*, umfasst die drei überirdischen Sephirot.
In der nächsten Ausgabe werde ich noch genauer auf die einzelnen Sephirot eingehen und dabei Verbindungen zu anderen okkultistischen, spirituellen und mystischen Lehren darlegen.
Wie an anderer Stelle schon beschrieben, gibt es zehn Sephirot, welche alle miteinander verbunden sind.
1. Kether
Die erste Sephirot ist Kether, die Krone. Sie wird von eingeweihten Kabbalisten mit dem Bewusstseinszustand identifiziert, bei dem die Schöpfung mit den Schleiern des Nichts vermischt ist. Kether krönt die mittlere Säule des Baumes und überragt die dualistischen SephirotChokmah (männlich) und Binah (weiblich). Es gilt somit als Symbol für das himmlische Androgyn, die mystische Transzendenz und Vereinigung mit dem Höchsten.
Diese Sephirot wird mit Satori und Nirwana verglichen.
2. Chokmah
Chokmah, die Weisheit, folgt auf Kether und stellt den Großen Vater, den Schenker des Lebenssamens dar. Zusammen mit der Großen Mutter Binah ist er der Erschaffer allen Lebens.
3. Binah
Die Große Mutter in all ihren Formen wird durch Binah, dem Verständnis, dargestellt. Binah manifestiert sich im Universum als Archetypen in Form von Bildern und Formen. Sie wird unter anderen mit der Jungfrau Maria als höchstes weibliches Prinzip im Schöpfungsprozess assoziiert.
4. Chesed
Chesed, die Gnade, stellt den Herrscher des sich manifestierenden Universums dar. Jener Herrscher stellt nicht den Schöpfer dar, wird dennoch als stabil, weise und erbarmungsvoll charakterisiert.
5. Geburah
Geburah, die Stärke, repräsentiert Strenge, Korrektheit und Gerechtigkeit. Die dieser Sephirot innewohnenden zerstörerischen Kräfte sollen eine reinigende und säubernde Wirkung auf das Universum haben.
6. Tipharet
Tipharet, die Schönheit, harmonisiert die scheinbar entgegengesetztwirkenden Kräfte von Chesed und Geburah. Von Eingeweihten wird diese Sephirot als die Sphäre der Wiedergeburt bezeichnet.
7. Netzach
Netzach, der Sieg, symbolisiert die Kreativität, die Subjektivität und die Emotionen. Hier wirken Liebe und spirituelle Leidenschaft.
8. Hod
Hod, die Pracht, stellt den Intellekt und die rationellen Gedanken dar. Diese Sephirot symbolisiert die strukturierende und messende Kapazität des Geistes und wirkt als Gegensatz zu den emotionellen und intuitiven Aspekten von Netzach.
9. Jesod
Jesod, das Fundament, wird mit dem Mond und dem Element Wasser assoziiert. Hier, in dieser weiblichen Sphäre, befinden sich die sexuellen Instinkte.
Des Weiteren übernimmt Jesod eine weiterleitende Funktion für die höheren Energien in Richtung Malkut.
Diese Sephirot stellt für Eingeweihte die astrale Ebene dar.
Aufgrund ihrer Assoziationen mit dem Mond und der Fruchtbarkeit wird diese Sephirot im Rahmen der Hexenkunst mit der Göttin identifiziert.
10. Malkuth
Malkuth, das Königreich, steht für die materielle Welt, dem physisch Fassbaren. Hier fangen symbolisch alle inneren Reisen und Geistreisen an.
® Sugarbabe346
« Wind Numerologie »

