Lemuria ist der Hypothetische Versunkende verlorene Kontinent, dessen „neue“ Suche im 19. Jahrhundert wieder angefangen hatte. Obwohl es keine geologischen Formationen unter den Indischen Ozean liegen, ist der Mythos um Lemuria bis heute nicht abgerissen. Dieser versunkende Kontinent soll auch gleichbedeutend mit dem ebenfalls verschwundenen Atlantis sein.
Lemuria und Mu sind Synonyme für ein untergegangenes Land, das angeblich irgendwo im südlichen Pazifik lag. Dieser alte Kontinent war anscheinend die Heimat einer fortgeschrittenen und hoch spirituellen Kultur, vielleicht gar der Ursprung der ganzen Menschheit, versank aber vor vielen Jahrtausenden infolge einer wie auch immer gearteten geologischen Katastrophe in den Fluten. Die Abertausende im ganzen Pazifik verstreuten Felsinseln (einschließlich der Osterinsel, Tahiti, Hawaii und Samoa) sollen die einzigen erhaltenen Überreste dieses einst so großen Kontinents sein.
Diese Theorie eines sowohl in physischer wie auch spiritueller Hinsicht untergegangenen Landes wurde von allen möglichen Seiten aufgestellt, vor allem von Wissenschaftlern in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im späten 19. Jahrhundert befasste sich die Okkultistin Madame Blavatsky aus einem spirituellen Blickwinkel mit Lemuria und beeinflusste danach viele andere Leute, es ihr gleichzutun, so etwa den parapsychologischen Heiler und Prophet Edgar Cayce.
Le Plongeon´s Interpretation
Populär wurde Lemuria als einst real existierender Ort im 20. Jahrhundert durch den britischen Ex-Colonel James Churchward, und noch heute hat diese Theorie viele Anhänger. Das Land Mu hat eigentlich keine besonders lange Geschichte, und es wird auch nicht in irgendwelchen alten Mythologien erwähnt, wie einige Autoren behauptet haben. Der Name Mu stammt von dem exzentrischen Amateurarchäologen Augustus Le Plongeon (1826-1908), der als Erster die Ruinen der archäologischen Stätte von Chichen Itzä in Yucatän in Mexiko fotografisch dokumentiert hat. Allerdings schadete es Le Plongeons Glaubwürdigkeit erheblich, als er versuchte, ein Buch der Maya, den so genannten Troano-Codex (auch Madrid-Codex genannt), zu übersetzen. Dadurchr folgerte Plongeon aus dem Troano-Codex, die Maya von Yucatän seien die Ahnen der Ägypter und vieler anderer Kulturen. So glaubte er, dass ein alter Kontinent, den er Mu nannte, durch einen Vulkanausbruch zerstört worden sei und dass die Überlebenden dieser Katastrophe die Maya-Kultur begründet hätten. Le Plongeon setzt Mu mit Atlantis gleich und sagte, dass eine „Königin Moo“, die ursprünglich aus Atlantis stammte, sich nach Ägypten begeben habe, wo sie Isis genannt wurde und die ägyptische Kultur begründete. Doch Fachleute für Archäologie und Geschichte der Maya halten Le Plongeons Interpretation des Maya-Buches als nicht haltbar. Allerdings konnte man auch noch nicht andere Beweise vorlegen.
Erste Menschliche Rasse?
Lemuria, wie der andere Name für den versunkenen Kontinent lautet, wurde ebenfalls im 19. Jahrhundert geprägt. Ernst Haeckel (1834-1919), ein deutscher Naturforscher und Anhänger Darwins, behauptete, eine Landbrücke über den Indischen Ozean (die Madagaskar mit Indien verband) könnte die weite Verbreitung der Lemuren erklären. Bizarrer ist Haeckels Behauptung, die Lemuren seien die Vorfahren der Menschen und diese Landbrücke sei die „mutmaßliche Wiege der menschlichen Rasse“: Und die Existenz eines großen Kontinents im Pazifik vor Millionen von Jahren, der von einem verheerenden Erdbeben zerstört worden und versunken war genau wie bei Atlantis.
Die untergegangene Kultur von Lemuria rückte auf dramatische Weise wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit, als Colonel James Churchward 1931 sein skurriles Werk „The Lost Continent of Mu“ veröffentlichte. Darin behauptete er, der untergegangene Kontinent Mu habe sich einst von einem Gebiet nördlich von Hawaii bis zu den Fidschiinseln und der Osterinsel im Süden erstreckt. Laut Churchward war Mu der ursprüngliche Garten Eden und seine immerhin 64 Millionen Bewohner besaßen eine technisch fortschrittliche Kultur. Vor rund 12.000 Jahren sei Mu von einem Erdbeben ausgelöscht worden und im Pazifik untergegangen. Tausend Jahre später wäre dann auch Atlantis, eine Kolonie von Mu, auf die gleiche Weise zerstört worden. Alle großen alten Kulturen der Welt, von den Babyloniern und Persern bis zu den Maya und den Ägyptern, seien die Überreste von Mu. Ein Priester habe Churchward erzählt, er und zwei seiner Vettern seien die einzigen Überlebenden eines 70.000 Jahre alten esoterischen Ordens, der auf Mu selbst entstanden sei. Dieser Orden habe sich die Naacal Bruderschaft genannt. von diesem Naacal-Orden in einer vergessenen alten Sprache beschrieben worden seien, vermutlich der Ursprache der Menschheit. Später behauptete Churchward, gewisse Steinartefakte aus Mexiko enthielten Teile der „heiligen, erleuchteten Schriften von Mu“ vielleicht übernahm er damit einige Ideen von Augustus Le Plongeon und seiner Interpretation des Troano-Codex, um einen Beweis für die Existenz von Mu zu liefern.
Die Idee, dass Lemuria kein materieller Ort, sondern dagegen eine verlorene spirituelle Heimat sei, stammt wahrscheinlich aus den Schriften der schillernden russischen Okkultistin Helena Blavatsky ( 1831-91). In ihrem umfangreichen Werk „Die Geheimlehre „(1888) schildert Blavatsky die Geschichte der Menschheit, beginnend vor Jahrmillionen mit den Herren des Lichts. Danach behauptet sie die Existenz von fünf „Wurzelrassen“ auf der Erde, die jeweils in einer erderschütternden Katastrophe ausstarben. Die dritte dieser Wurzelrassen nannte sie die „Lemuro-Atlantier“, vor Jahrmillionen existierende bizarre, der Telepathie mächtige Riesen. Die Lemuro-Atlantier gingen schließlich, zusammen mit ihrem Kontinent im Pazifischen Ozean unter. Aus ihren Nachkommen gründete sich die vierte Wurzelrasse der menschlichen Atlantier, die wegen des Gebrauchs von schwarzer Magie untergingen, als der Kontinent von Atlantis vor 850 000 Jahren versank. Die heutige Menschheit stellt die fünfte Wurzelrasse dar.
Blavatsky behauptete, dies alles habe sie aus dem Buch „Dzyan“ erfahren, welches angeblich in Atlantis verfasst und ihr von indischen Adepten, den Mahatmas, gezeigt worden war. Blavatsky hat nie behauptet, Lemuria entdeckt zu haben, ja, in ihren Schriften verweist sie auf Philip Schlater, der den Namen Lemuria geprägt habe. Die Geheimlehre ist ein äußerst schwieriges Buch, eine komplexe Mischung aus östlichen und westlichen Kosmologien, mystischem Gefasel und esoterischen Weisheiten, die größtenteils nicht beim Wort genommen werden sollten. Blavatsky lieferte die erste okkulte Interpretation von Lemuria, die nicht unbedingt mit der von Churchward postulierten Theorie eines real existierenden Kontinents gleichgesetzt werden. Was Blavatsky und andere Okkultisten seither im Zusammenhang mit Lemuria vorgebracht haben, könnte unter Umständen als ein idealer spiritueller Zustand der Seele interpretiert werden, als eine Art verlorenes spirituelles Land. Gleichwohl gibt es sogar heute noch etliche Parapsychologen und Propheten, für die das alte Lemuria oder Mu eine physische Realität besaß ja, einige erinnern sich unter Hypnose an ihr früheres Leben als Bürger des zum Untergang verurteilten Kontinents.
® Carrygen
