Am 15. April 1452 wurde Leonardo da Vinci in Anchiano bei Vinci, einer Bergstadt nahe Florenz geboren. Er war ein nichtehelicher Sohn des Bauernmädchens Caterina und des Notars Ser Piero da Vinci, der aus einer wohlhabenden, angesehenen Florentiner Notarsfamilie stammte. Die bildnerische Begabung Leonardo da Vincis trat früh hervor. Er fertigte Zeichnungen, bastelte und modellierte – meist Fabelwesen aus der Mythologie Es begab sich, dass da Vinci in Florenz als Angeklagter in einen Prozess wegen Sodomie (sexueller Umgang mit Gleichgeschlechtlichen) verwickelt wurde. Er wurde jedoch in zwei Verhandlungen am 9.04.1476 von der Anklage freigesprochen.

Dieses Erlebnis hinterliess tiefe Spuren im Gemüt da Vincis; er sah die Anklage als “Macht der Verleumdung”. In dieser Zeit fertigte er viele Zeichnungen an, welche Jünglingsköpfe, alte Männer, Visionen des Kampfes, Weltuntergänge und Naturkatastrophen darstellen. Da Leonardo da Vinci von unentschlossener Natur war, schweifte er oft von seinen Plänen ab, um neuen, übergrossen Ideen nachzugehen. Als Dreißigjähriger versuchte sich Leonardo da Vinci in anatomischen Zeichnungen.

Seine Leidenschaft war zu dieser Zeit die Architektur. Er entwarf Bordelle mit drei Eingängen, einen Pferdestall mit Kanalisation, Domkirchen, Häuser mit freischwebenden Treppen und sogar ganze Städte. Als die Pest in Mailand wütete, wollte Leonardo da Vinci die sanitären Verhältnisse verbessern und den Aufbau der Stadt reformieren. Er plante Verbesserungen der Wasserleitungen, neue Heizmöglichkeiten, automatische Toilettenanlagen, automatische Türen, Weckeruhren und hellere Lampen.

Es gab fast kein Gebiet der Technik, an dem er sich nicht versuchte. Wie viel Lohn Leonardo da Vinci in diesen Jahren erhalten hatte, weiß man nicht. Aber in Armut hatte er nie gelebt, da er ständig Mitarbeiter, Gehilfen und Diener beschäftigte. Auch lehnte er fast keinen Auftrag ab. Während der Kriegsunruhen 1495 malte Leonardo für das Kloster in Mailand das Abendmahl.

1497 wurde es fertig gestellt, wenngleich er meinte, es sei unvollkommen. Das Bild wurde in ganz Italien bekannt. Das Abendmahl zählt heute zu den bekanntesten Bildern der christlichen Welt. Leonardo da Vinci hatte dieses Denkmal eines Glaubens geschaffen, obwohl er keineswegs im Kirchensinne fromm war, sondern vielmehr das Mönchtum verspottete und die Heiligenverehrung kritisch sah.

In Florenz malte da Vinci zwei weitere Werke: Die Schlacht von Anghiari und die Mona Lisa (auch La Gioconda, 1503 – 1506, heute Louvre, Paris). Ersteres Werk war ein Wettstreit der Künstler. Ein gleicher Auftrag ging auch an den 29jährigen Michelangelo. Leonardo da Vinci wählte eine Reiterschlacht als Thema, Michelangelo eine beim Baden überraschte Soldatengruppe. Die Kartonzeichnungen wurden vollendet, nicht jedoch die Gemälde. Michelangelo ging dann nach Rom, während Leonardo da Vinci wieder einmal mit einer neuen Maltechnik experimentierte.

Die Mona Lisa
Die Mona Lisa ist eines der wenigen Werke Leonardo da Vincis, das vollendet wurde. Die Mona Lisa ist das Portrait der Madonna – oder Mona – Lisa del Giocondo, Ehefrau eines Florentiner Kaufmanns. Sie war eine schöne elegante Dame, gerade 24 Jahre alt, als Leonardo da Vinci das Portrait begann. Er malte sie in sitzender, aufrechter Haltung mit übereinander gelegten Händen, den Betrachter lächelnd anblickend. Sie ist unauffällig gekleidet und trägt keinen Schmuck. Ihre kastanienbraunen Haare werden durch eine schmale Schnur zusammengehalten und von einem feinen Schleier bedeckt.

Der Hintergrund des Bildes zeigt sich schlängelnde Flüsse in einer bizarren Felslandschaft. Er bildet einen bewussten Kontrast zur Ruhe der Figur und lässt diese stark hervortreten. Das Lächeln (Leonardo – Lächeln) war nicht nur bei diesem Bild so mysteriös. In vielen Gesichtern Leonardo da Vincis tauchte es, leicht abgewandelt, auf. Es ist eigentlich gar kein Lächeln. Es ist eine angesammelte Spannung, die sich in einem Moment entlädt. Der Auftraggeber der Mona Lisa ist unbekannt. Ihr Mann war es nicht. Leonardo da Vinci malte etwa drei Jahre an diesem Werk.

In der Zeit in Rom wurde Leonardo da Vinci zum ersten Mal krank. Er wurde von seinen Dienern vernachlässigt, seine Tagebücher sind voll von Klagen. Die Zeit vertrieb er sich mit makaberen Spielen: Er füllte Hammeldärme mit Luft, bis sie fast das ganze Zimmer ausfüllten. Er war einsam und zeichnete und beschrieb seinen Seelenzustand in seinen Zeichnungen:

Sein Tod

Im Winter 1518/1519 wurde Leonardo da Vinci krank. Er ließ den Notar kommen, um sein Testament zu machen. Leonardo da Vinci wünschte sich ein Begräbnis mit 60 Fackeln, die vor dem Sarg getragen werden sollten. Er versöhnte sich mit seinen Stiefschwestern. Sein Geld vermachte er dem Kloster in Florenz. Am 2 Mai 1519 starb Leonardo da Vinci. Sein Leichnam wurde in der Kirche der Stadt Amboise außerhalb der Schloßmauern bestattet.

Als in den Wirren der Französischen Revolution ein großer Teil vom Amboise zerstört wurde, darunter auch die Kirche, bestattete man die Überreste, die man für die seinen hielt, in der St. Hubertus-Kapelle des Schlosses in Amboise. Das Grab schmückt eine Inschrift: “Unter diesem Stein liegen die Gebeine, die bei der Ausgrabung der alten königlichen Kapelle von Amboise gesammelt wurden und unter denen sich, so nimmt man an, die sterblichen Überreste Leonardo da Vincis befinden”.

Leistungen

Leonardo da Vinci hatte Ideen zu Fallschirmen und Hubschraubern. Auch das Fahrrad und die Fahrradkette, konstruierte er, genauso wie “Kampfwagen”, die Vorläufer von Panzern, und Bomben, die beim Aufprall explodieren. Für die Textilindustrie erfand er Maschinen, wie z.B. die automatische Spindel und eine Tuchschermaschine. Unter seinen Skizzen finden sich Entwürfe für “Maschinen für das Wasser”, wie z.B. ein Tauchgerät, ein Vorgänger des modernen Schnorchels, oder auch ein Taucheranzug.

Um seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen, versuchte Leonardo da Vinci nach eingehenden Studien des Vogelflugs eine Flugmaschine zu fertigen.

Anatomie

Leonardo da Vinci erforschte den menschlichen Knochenbau und das Muskelsystem, Venen an Arm, Brust und Bauch plastisch dargestellt. Es finden sich in seinen Zeichnungen derHerzklappenfunktion bereits Andeutungen auf den erst später entdeckten Blutkreislauf. Er analysierte die Proportionen des Kopfes und studierte die Sprechorgane.

Um das Geheimnis des Lebens zu ergründen sezierte er als erster den Mutterleib und fertigte die Zeichnung eines Embryos. Er widmete viel Zeit den Beobachtungen über das Wachsen und die Entwicklung des menschlichen Körpers. Ständig war Leonardo da Vinci auf der Suche, die “Lebenskraft” oder Seele zu finden, die dem Körper Leben gibt. Dafür führte er auch Versuche an Tierkörpern durch und verglich den Aufbau mit dem des Menschen. Aber dieses Problem vermochte er nicht zu lösen. Bis heute gelten Leonardo da Vincis anatomische Darstellungen als musterhaft. Seine Zeichnungen, die sehr klar und genau sind, werden zum Teile heute noch verwendet, um anatomische Texte zu illustrieren.

Botanik

In seinen botanischen Zeichnungen war Leonardo da Vinci unübertroffen. Er zeichnete Blätter und Pflanzen, beobachtete den Baumwuchs, die Stellung der Blätter an den Zweigen, das Emporsteigen der Säfte.Viele dieser Zeichnungen fertigte er für wissenschaftliche Zwecke oder verwendete sie als Modell für seine Gemälde.Die Gründung eines Botanischen Gartens in Rom soll auf Anregung Leonardo da Vincis zurückgehen.

Architektur

Leonardo da Vinci konstruierte die ersten vorgefertigten Häuser und entwickelte Projekte für den Städtebau. Er entwarf Häuser mit freischwebenden Doppeltreppen, eine doppelte Wendeltreppe, wie sie erst in der Gegenwart als Betonkonstruktion in Mode kam. Er plante neue Heizungsmöglichkeiten, Kamine und Küchen. Er skizzierte Klosettanlagen mit drehbarem Fenster, automatische Türen, Schornsteinaufsätze. Er entwickelte Ideen für den Bau von Kanälen, Staudämmen und Schleusen, um Flüsse schiffbar zu machen. Er beschäftigte sich mit der Entwässerung von Sumpfland, um neue Felder zu schaffen und erfand dafür einen Bagger, der den Morast ausheben sollte.

Da Vincis Vermächtnis

Zahlreiche seiner erhaltenen Zeichnungen, die sein Wissen über Anatomie von Mensch, Tier und Pflanze belegen, sind in vielen bedeutenden europäischen Kunstsammlungen vertreten; eine der größten befindet sich in der RoyalLibrary im SchlossWindsor in England. In einem Schrein in Mailand liegt das größte Vermächtnis Leonardo da Vincis an die Nachwelt: Ein mit seinen Aufzeichnungen und Skizzenblättern zusammengestellter Band, der “CodexAtlanticus”.

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