Das unentdeckte Land … die Zukunft. Nichts faszinierte die Menschen so sehr, wie das Wissen um die eigene Zukunft. Auch heute ist das noch so. Daher hat man schon immer nach Möglichkeiten gesucht, den Schleier der Zeit zu lüften. Eine dieser Möglichkeiten bietet das Tarot. Woher dieses Kartenorakel kam ist nicht sicher. Man vermutet, dass die Kleine Arkana im 14. Jahrhundert aus der islamischen Welt ins Abendland kam. Unklar ist jedoch, wo die Ursprünge der bedeutsameren Großen Arkana liegen.
Das erste Mal treten sie im 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Karten der Kleinen Arkana auf. Auch ist nicht sicher, ob schon vor dem 16. Jahrhundert eine Verbindung zwischen der Kleinen und der Grossen Arkana bestand, oder ob dieser erst zu jener Zeit entstanden ist. Manche vermuten hinter der Grossen Arkana das Weisheitsbuch der Altägyptischen Priesterkaste, welches über Jahrtausende nur im Verborgenen zu finden war.
Nach dem Auftauchen der Großen Arkana verschwanden diese nach einiger Zeit auch wieder aus dem Gedächtnis der Menschen. Ganz im Gegensatz zu den Karten der Kleinen Arkana; sie sind heutzutage in sämtlichen Spielkarten zu finden. Aus der Großen Arkana hat nur der Narr als Joker „überlebt“.
Was genau aber sind Tarotkarten? Wie oben schon erwähnt, setzt sich ein Tarot-Deck aus der Großen und der Kleinen Arkana zusammen. Die Grosse Arkana besteht aus 22 Karten, die durchnummeriert sind. Hier die einzelnen Karten (die Voranstehenden sind die Karten, wie sie imCrowley-Tarot bezeichnet werden, in Klammern die abweichenden Bezeichnungen des Rider-White-Tarots):
I
Der Magier
II
Die Hohepriesterin
III
Die Kaiserin (Die Herrscherin)
IV
Der Kaiser (Der Herrscher)
V
Der Hohepriester
VI
Die Liebenden
VII
Der Wagen
VIII
Ausgleichung (Die Kraft)
IX
Der Eremit
X
Glück (Das Rad des Schicksals)
XI
Lust (Die Gerechtigkeit)
XII
Der Gehängte
XIII
Der Tod
XIV
Die Kunst (Die Mäßigkeit)
XV
Der Teufel
XVI
Der Turm
XVII
Der Stern
XVIII
Der Mond
XIX
Die Sonne
XX
Das Aeon (Das Gericht)
XXI
Das Universum (Die Welt)
Die Kleine Arkana spiegelt sich, wie schon erwähnt, in heutigen Spielkarten wieder. Sie setzt sich aus vier Sätzen zusammen mit jeweils 14 Karten. Die Symbole der einzelnen Sätze sind Stäbe, Schwerter, Kelche und Münzen (bei Crowley = Scheiben); in europäischen Kartensätzen Kreuz, Pik, Herz und Karo bzw. Eichel, Blatt, Herz und Schellen.
Eine Abweichung jedoch ist hier zu finden; bei heutigen Kartenspielen hat man drei Hofkarten – Bube, Dame und König – während die Kleine Arkana vier Hofkarten aufzuweisen hat – Bube, Ritter, Königin und König (bei Crowley – Prinzessin, Prinz, Königin und Ritter).
Mit der Großen Arkana werden die verschiedenen Phasen der Persönlichkeit dargestellt, während die Kleine Arkana die Große ergänzt und auf mögliche zukünftige Ereignisse hinweist.
Warum Tarot – Was wird bezweckt?
Wie schon erwähnt, dienen Tarotkarten als Orakel, um mögliche Zukunftsentwicklungen aufzuzeigen. Das Prinzip des „Zufalls“ spielt hier eine tragende Rolle; besser gesagt, das Wissen, dass Zufälle etwas Bedeutsames haben bzw. das es so etwas wie Zufälle nicht gibt. Aber worum genau geht es nun eigentlich? Das Lebensziel der Menschheit war schon immer die Vervollkommnung unseres irdischen Seins.
Die Triebfeder hierfür ist unser Höheres Selbst, welches nach C. G. Jung sowohl das Bewusste, als auch das Unbewusste umfasst. Das Ich als Mittelpunkt unseres Bewusstsein stellt nur einen sehr kleinen Teil unseres Selbstes dar und kann demzufolge nur geringe Ausschnitte des großen Ganzen, des All-Einen erfassen.
An dieser Stelle kommt das Tarot ins Spiel. Die „zufällig“ gelegten Karten dürfen als Dialog zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten betrachtet werden, der dazu anregt zu lernen, zu wachsen und zu reifen; kurz gesagt vollkommener zu werden.Tarot stellt einen Weg zur Selbsterkenntnis dar, was der eigentliche Sinn aller Orakel ist.
Tarot und Wissenschaft
Tarot und andere Zufallsorakel stellen ihren Wesen nach einen krassen Gegensatz zu wissenschaftlichen Betrachtungsweisen dar. Ein wissenschaftlich (rational) denkender Mensch mag den Vorwurf aufkommen lassen, dass z. B. bei fünfmalig hintereinander gelegten Karten ja niemals jedes Mal die gleichen Konstellationen auftauchen. Nüchtern betrachtet ist dies auch richtig.
Nur darf man bei Zufallsorakeln nicht mit wissenschaftlichen Methoden an die Sache gehen. Die Wissenschaft erlangt rationale Beweise durch die Wiederholbarkeit von Experimenten. Hierbei wird der „Zufall“ durch bis ins letzte geplante Versuchsreihen unter Laborbedingungen regelrecht ausgeschlossen. Der Beweis ist erbracht, wenn das Experiment beliebig oft (unter exakt den gleichen Bedingungen) gelingt. Der „Zufall“ in der rationalen Welt der Wissenschaft gilt als Störenfried.
Zufallsorakel jedoch lassen sich nicht mit rationalen Aussagen beschreiben. Sie gehören genau wie Träume in die irrationale Welt. Zufallsorakel leben nicht von der Wiederholbarkeit. Der Zufall gilt hier als der wichtigste Faktor.
Fazit:
„Wer diese Botschaften aufnimmt und sich von ihnen führen lässt, wird seinen eigenen, der jeweiligen Individualität entsprechenden Weg gehen und zu sich selbst finden. Wer dagegen das Unbewusste nur als ein magisches Wunderland betrachtet, dessen Zauberkräfte das Ich schamlos ausbeuten darf, um sein grenzenloses Geltungsbedürfnis und seine naiven Glückserwartungen zu stillen, wer damit die Lottozahlen berechnen will oder Tarot als spirituelle Versicherung gegen Unannehmlichkeiten des Lebens betrachtet, wird günstigstenfalls enttäuscht, vielleicht aber auch schlimmen Schiffbruch erleiden.
`Jede Annäherung an das Unbewusste aus Nützlichkeitsgründen`, so warnt die Jungianerin Marie-Louise von Franz, `hat destruktive Wirkungen.` Und sie vergleicht diesen Vorgang mit der rücksichtslosen Ausbeutung der Wälder, dem Raubbau an der Natur und dem habgierigen Plündern der Bodenschätze, was alles in allem nur zur Störung des biologischen Gleichgewichts führt. Im Verfehlen der Mitte aber liegt die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Sünde. Vielleicht ist es diese Gefahr, die die Tarotkarten immer wieder als das Gebetbuch des Teufels in Verruf gebracht hat.“ (Quelle: Schlüsselworte zum Crowley-Tarot; H. Banzaf, B.Theler)
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